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AH10107 Stolpersteine der Stadtgeschichte "Zigeuner"-Mord als Kapitel auch der Heimatkunde Eine Generalprobe für den Völkermord: Die Mai-Deportation der Sinti und Roma 1940

Beginn Mi., 14.10.2020, 19:30 - 21:30 Uhr
Kursgebühr 6,00 €
Dauer 1 Termin
Kursleitung Michael J. H. Zimmermann

1940 ist in die deutschen Annalen eingegangen als das Jahr, in dem die Nationalsozialisten die Weltgeschichte zur Generalprobe ihres Völkermordprogrammes luden, denn nach der vorgängigen Ermordung (tatsächlich oder angeblich) körperlich Behinderter startete die Aktion T4 - und es kam seit Februar dieses Jahres des Unheils, in dem 'Heil Hitler!' brüllten die es anrichteten, zu ersten Deportationen deutscher Minderheiten. Nach der Verschleppung pommerscher Juden ins General-Gouvernement, wo sie auf die Ghettos in Piaski, Belzyce, Glusko und Bychawa verteilt wurden, in der Nacht vom 12. auf den 13. Februar 1940 und vor der Deportation badischer und saarpfälzischer Juden am Laubhüttenfest (22./23. Oktober) nach Gurs, traf es (in ,vorsorglicher Begleitung‘ des Westfeldzuges der Wehrmacht) im Mai 1940 die Sinti und Roma entlang der Westgrenze des Deutschen Reiches. In einem Schnellbrief 'betr. Umsiedlung von Zigeunern' erteilte Heinrich Himmler am 27. April 1940 den Kriminalpolizei(leit)stellen den (lange schon erwarteten und von vielen auch sehnlichst herbeigewünschten) Deportationsbefehl: 'Der erste Transport von Zigeunern nach dem Generalgouvernement wird Mitte Mai in Stärke von 2500 Personen in geschlossenen Sippen in Marsch gesetzt werden. Es kommen vorerst die in den westlichen und nordwestlichen Grenzgebieten aufhältlichen Zigeuner in Betracht. Zu diesem Zwecke werden die im Gebiet der Kriminalpolizeileitstellen Hamburg und Bremen einerseits sowie der Kriminalpolizeileitstellen Köln, Düsseldorf, Hannover andererseits je 1000 und der Kriminalpolizei(leit)stellen Stuttgart und Frankfurt a. M. zusammen 500 Personen an noch zu bestimmenden Sammelstellen zusammengezogen und in vom Chef der Sicherheitspolizei und dem SD zur Verfügung gestellte Eisenbahnzüge verladen werden'. Und damit keine Ungereimtheiten infolge rassischer Fehldiagnosen sich einschlichen, war 'zur Unterstützung die Entsendung von Beauftragten des Reichskriminalpolizeiamtes und des Reichsgesundheitsamtes vorgesehen', die am 14.Mai bei den Kriminialpolizeileitstellen Hamburg, Köln und Stuttgart eintrafen ... Unter den Betroffenen befanden sich auch die aus Villingen nach Hüfingen abgeschobenen Familien Lehmann und Wagner, derweil die in und um Villingen wie Schwenningen beheimatete Familie Reinhardt nach ihrer Zeit im Schwenninger 'Zigeuner-Zwangsarbeiterlager Schillerhöhe' unterzutauchen suchte. Das fremdverfügte ,Schicksal‘ dieser Familien soll Einblick geben in Zeiten der grausamen Verfolgung der deutschen Minderheit mit dunklerem Teint und eigener Sprache (wie Kultur). Unter den Augen der Nachbarn, die vielfach die 'Beseitigung der Zigeuner-Plage' erst forderten, dann lebhaft begrüßten, wurden die zu 'fremdrassig' minderwertig Erklärten in reibungsloser Zusammenarbeit von Landratsamt, Bürgermeisteramt, Gendarmerie, Kriminal- und Ortspolizei und zahlreichen Behörden, wie Fürsorgestellen, Arbeits-, Gesundheits-, Schul- und Jugendamt, am helllichten Tag im Familienverband verschleppt. Die Reichsbahn zeigte sich entgegenkommend, rollten ihre Räder doch nicht nur für den Sieg: Von Hohenasperg nach Jedrzejów im Distrikt Radom fuhren Kinder unter sechs Jahren umsonst; für die übrigen galt der halbe Fahrpreis, da die Reichsbahn einen Gruppenreisetarif gewährte. Am Zielort angelangt, wurden die nach Polen Verschleppten auf Dörfer und Kleinstädte verteilt oder sich selbst überlassen. Ernährung und Unterbringung waren katastrophal. Typhus forderte rasch erste Opfer. Manche Familien machen sich mit oder ohne Erlaubnis entgegen der Festsetzungsorder nach Krakau auf, um mit Musik und Hausierhandel eine Überlebensmöglichkeit zu finden. Diese sank für jeden, der dort aufgegriffen und vom Sommer 1940 an nicht entlohnten und dürftig verpflegten Zwangsarbeiterkolonnen unter SS-Bewachung im Distrikt Radom zugeschlagen oder in Zwangsarbeiterlager eingewiesen wurde; sie sank auf Null für alle, die seit 1942 beim Menschenfang der Deutschen für Arbeit und Krieg in die Netze ihrer Verfolger gerieten, als 'Asoziale' in Konzentrationslagern interniert wurden, dem Terror zum Opfer fielen, wie Feldhasen erschossen auf freier Flur - oder in Auschwitz ums Leben gebracht. Die Katastrophe des Porrajmos aber wird eingeordnet in eine Traditionslinie des Unguten, die in den Taten und Untaten des 'Dritten Reiches' auf gipfelt.
Keine Anmeldung erforderlich.




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